Oberon ist, wie die Sprachen Pascal und Modula, eine Entwicklung von Niklaus Wirth an der Eidgenössischen Hochschule in Zürich (vgl. Information der ETH Zürich). Dies Sprachen sind dort als komplexe Rechnerarchitekturen aus Betriebssystem und eigentlichem Entwicklungssystem konzipiert. Ziel war jeweils, eine logisch konsistente Einheit zu entwickeln. Im Folgenden soll dabei nur noch auf die eigentliche Programmiersprache eingegangen werden.
Grundanliegen von N. Wirth war von Anfang an, Programmieren als eine eigenständige Disziplin zu etablieren, die aus dem systematischen Konstruieren und Formulieren von Algorithmen besteht. Ebenso sollte die Verifizierbarkeit, also der Beweis der Richtigkeit eines Programms, gezeigt werden.
Bei Pascal stand der Aufbau einer Sprache aus wenigen Grundelementen im Vordergrund, die dennoch mächtig und erweiterungsfähig genug sein sollten, Aufgaben aus den verschiedensten Bereichen lösen zu können. Am Anfang (1973) stand demnach auch eine axiomatische Definition der Programmiersprache PASCAL (Acta Informatica 2, 335-355). Durch die verwendete Notation läßt sich der gesamte Sprachumfang auf einigen wenigen Seiten darstellen. Bei der Compilierung wurde bei diesem Ur-Pascal der Code in einen Zwischencode (p-Code) übersetzt, der dann vom Computer leicht interpretiert werden konnte.
Bei der Entwicklung von Turbo-Pascal in der Folgezeit kam man dann von diesem maschinen-unabhängigen Zwischencode ab und compilierte gleich zu direkt verarbeitbaren Prozessorbefehlen, wodurch die erreichbaren Geschwindigkeiten selbstgeschriebener Programme in bis dahin unbekannte Größenordnungen katapultiert wurden. Die Entwicklung von PASCAL war damit praktisch identisch mit der von Turbo-Pascal. Um immer mehr Möglichkeiten zu schaffen, wurden mehr und mehr 'Features' implementiert, die aber im gleichen Maße von der eigentlichen Idee Wirths wegführten.
Die weitere Entwicklung führte dann zunächst zu Modula, das es gestattete, Teile von Programmen unabhängig von bereits bestehenden getrennt zu übersetzen.
Als aktuelle Entwicklung in der Informatik darf zur Zeit die objektorientierte Programmierung betrachtet werden. Diesem neuen Paradigma tragen die jüngsten Versionen von Turbo-Pascal, Delphi und andere Programmiersprachen Rechnung.
Oberon-2 ist hier eine Neuentwicklung, die allerdings sehr viel Gemeinsamkeiten mit Pascal besitzt. Schwerpunkt ist aber nicht, ein mächtiges Werkzeug zur Verfügung zu stellen wie bei Delphi, sondern durch Beschränkung auf das Wesentliche die eigentliche Idee in den Vordergrund zu stellen. Objektorientierung ist dabei in die Sprachdefinition 'von Anfang an' implementiert. Aus diesem Grund ist Oberon-2 an vielen Universitäten als Lehr-Sprache eingesetzt und wird am DG in einer frei verfügbaren Version der Universität Linz eingesetzt, die unter Windows lauffähig ist.